Cappella Sansevero
- Kirche & Sakralbau
- Kunstgalerie
- Preis: 7 € - 10 €
- Öffnungszeiten: 09:00 - 19:00, dienstags geschlossen
Geschichte
Die Wurzeln der Kapelle reichen zurück bis etwa 1590, als Giovan Francesco di Sangro, Herzog von Torremaggiore, sich der Überlieferung nach nach einer schweren Krankheit erholte, nachdem er vor einem wundertätigen Marienbild an dieser Stelle gebetet hatte, und aus Dankbarkeit eine kleine Votivkapelle errichten ließ, bekannt als Santa Maria della Pietà. Über ein Jahrhundert lang blieb sie ein bescheidenes Familienheiligtum, bis Raimondo di Sangro, siebter Fürst von Sansevero — ein rastloser Universalgelehrter, der sich mit Alchemie ebenso wie mit Druckerpressen und freimaurerischen Riten beschäftigte — sie ab den 1740er-Jahren umbauen und neu ausstatten ließ und so in jenen symbolträchtigen Raum verwandelte, den Besucher heute betreten.
Für das Herzstück der Kapelle beauftragte Raimondo zunächst den venezianischen Bildhauer Antonio Corradini, der bereits die verschleierte Statue der Bescheidenheit als Grabmal für die Mutter des Fürsten geschaffen hatte; Corradini starb 1752 und hinterließ nur ein kleines Terrakottamodell eines verschleierten Christus. Der Auftrag ging daraufhin an den jungen neapolitanischen Bildhauer Giuseppe Sanmartino über, der das frühere Modell beiseitelegte und 1753 seine eigene Interpretation aus einem einzigen Marmorblock schuf — ein erhaltenes Bankdokument verzeichnet eine Anzahlung von fünfzig Dukaten auf ein Gesamthonorar von fünfhundert, noch immer mit Raimondos Unterschrift versehen.
Wussten Sie schon?
Über zwei Jahrhunderte lang behaupteten Fremdenführer und selbst Gelehrte, das unmöglich transparente Leichentuch des Verschleierten Christus lasse sich nur durch ein alchemistisches Verfahren erklären — ein Marmor, der von Fürst Raimondo persönlich, dem vermeintlichen verrückten Wissenschaftler der Familie, chemisch erweicht und drapiert worden sei. Die Untersuchung der erhaltenen Zahlungsbelege und der Oberfläche der Skulptur widerlegt diese Legende: Leichentuch und Körper wurden aus ein und demselben Steinblock allein von Sanmartinos Meißel gearbeitet, ganz ohne Laboratoriumstricks — so sehr die Illusion die Augen der Besucher bis heute auch täuscht.
Im Untergeschoss nährten die beiden sogenannten Anatomischen Maschinen — ein männliches und ein weibliches Skelett, umhüllt von einem scheinbar vollständigen, getrockneten Kreislaufsystem — Gerüchte, Raimondo habe Diener töten und deren Adern mit einer geheimen Einbalsamierungsflüssigkeit injizieren lassen. Notarielle Unterlagen datieren die beiden Werke hingegen auf 1763-64 und schreiben sie Giuseppe Salerno zu, einem Anatomen aus Palermo; eine Studie aus dem Jahr 2008 bestätigte, dass die Skelette echt sind, während die kunstvollen „Adern" tatsächlich aus Draht, gefärbtem Wachs und Seidenfaden bestehen — außergewöhnliches Kunsthandwerk statt einer injizierten Leiche.
Gut zu wissen
Der Zutritt erfolgt ausschließlich mit vorab online gebuchtem Zeitfenster-Ticket — spontaner Einlass ist in der Regel nicht möglich, und die Plätze für beliebte Uhrzeiten sind in der Hochsaison schnell vergriffen. Die Kapelle ist dienstags geschlossen, und im Inneren ist jede Art von Fotografieren strikt untersagt — eine Regel, die vom Personal genau überwacht wird, um den Marmor vor Blitzlichtschäden zu schützen und den kleinen Raum in Bewegung zu halten.
Da die Kapelle in einer engen Gasse direkt hinter der Apsis von San Domenico Maggiore liegt, bietet es sich an, beide bei einem Spaziergang durch das Viertel Spaccanapoli miteinander zu verbinden, zusammen mit dem nahe gelegenen Pio Monte della Misericordia. Da Fotografieren nicht infrage kommt, lohnt es sich, vor dem Verschleierten Christus einfach innezuhalten und ihn aus verschiedenen Blickwinkeln und Entfernungen zu betrachten — das Lichtspiel auf dem marmornen Schleier verändert sich beim Umherwandern erstaunlich stark.