Complesso Monumentale di Santa Chiara
- Kirche & Sakralbau
- Preis: 5 € - 7 €
- Öffnungszeiten: Mo-Sa 09:30-17:30, So 10:00-14:30
Geschichte
König Robert von Anjou und seine zweite Frau, Sancha von Mallorca, gründeten das Kloster im frühen 14. Jahrhundert als geistliches und dynastisches Herz des angevinischen Neapel und stifteten es als Doppelkloster, das sich Franziskanermönche und Klarissinnen teilten. Roberts eigenes Grabmal, nach seinem Tod 1343 hinter dem Hochaltar errichtet, wurde zum größten Grabdenkmal, das im mittelalterlichen Neapel entstand: Von den florentinischen Brüdern Giovanni und Pacio Bertini geschaffen, zeigt es den König gleich viermal und trägt ein seinem Freund Petrarca zugeschriebenes Verspaar, das ihn als „voller Tugend" preist.
Die Kirche, wie sie Generationen von Neapolitanern kannten, war ein stark vergoldeter Umbau des 18. Jahrhunderts, dessen gotisches Gerüst unter Stuck, Fresken und farbigem Marmor verborgen lag — bis ein alliierter Luftangriff sie am 4. August 1943 direkt traf und das darauffolgende Feuer fast zwei Tage lang wütete, wobei es den barocken Schmuck ebenso zerstörte wie den Großteil eines dem Umkreis Giottos zugeschriebenen Freskenzyklus aus dem 14. Jahrhundert. Statt das Verbrannte einfach zu ersetzen, entschieden sich die Restauratoren der Nachkriegszeit bewusst dafür, die Kirche noch weiter zurückzuführen und das strenge gotische Innere wiederherzustellen, das vor dem barocken Umbau bestanden hatte — das Gebäude wurde symbolisch am 4. August 1953 wiedereröffnet, genau zehn Jahre nach der Bombardierung.
Wussten Sie schon?
Die Kirche, an die sich die meisten Besucher heute erinnern, ist somit nicht jene, in der die Neapolitaner zwei Jahrhunderte lang beteten, sondern im Grunde die wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion einer noch älteren Kirche — ein seltener Fall, in dem die Kriegszerstörung das Erscheinungsbild eines Gebäudes zeitlich zurückversetzte, statt lediglich das Verlorene zu ersetzen.
Neben der Kirche gleicht der Kreuzgang des Klosters diesem feierlichen Inneren in keiner Weise: Architekt Domenico Antonio Vaccaro gestaltete ihn 1739-1742 zu einem Garten um, durchzogen von überdachten Wegen, deren achteckige Säulen und dazu passende Sitzbänke mit von den Brüdern Donato und Giuseppe Massa handbemalten Majolikafliesen umhüllt sind. Bei genauerem Hinsehen wirken die Kacheln geradezu verspielt — Zitronen- und Zedratzweige, Jagdszenen, Karnevalsmasken und Vignetten aus dem neapolitanischen Alltagsleben des 18. Jahrhunderts winden sich um die Pfeiler, die zumindest teilweise schlicht dazu gedacht waren, den hinter den Klostermauern eingeschlossenen Nonnen Freude zu bereiten.
Gut zu wissen
Der Komplex hat sonntags kürzere Öffnungszeiten (10:00-14:30 Uhr) als an den übrigen Wochentagen (Montag-Samstag 09:30-17:30 Uhr), und ein einziges Ticket deckt sowohl den Majolika-Kreuzgang als auch das kleine Museum mit den darunter freigelegten archäologischen Funden ab; die Basilika selbst lässt sich in der Regel getrennt und kostenlos besichtigen.
Die Mittagssonne bringt die Farben der Majolika am besten zur Geltung, da Säulen und Bänke unter freiem Himmel statt im tiefen Schatten liegen, wobei der überdachte Wandelgang am Rand des Gartens bei sommerlicher Hitze Abkühlung bietet. Der Komplex liegt nur einen kurzen Fußweg sowohl von San Domenico Maggiore als auch von der Cappella Sansevero entfernt und eignet sich damit als natürliche dritte Station auf einem Spaziergang durch Spaccanapoli.