← Alle Sehenswürdigkeiten

Piazza del Plebiscito

  • Platz & Allee
  • 4.6
  • Preis: Kostenlos
  • Öffnungszeiten: Durchgehend geöffnet
Wegbeschreibung
Anzeige

Buche eine geführte Tour durch Napoli

Überspringe die Warteschlange und entdecke Napoli mit einem ortskundigen Guide.

Verfügbare Touren ansehen →

Geschichte

Lange bevor der Platz seine heutige Form annahm, war er schlicht als Largo di Palazzo bekannt, jene offene Fläche, die die spanischen Vizekönige vor dem Königspalast beließen, nachdem Domenico Fontana den Bau um 1600 vollendet hatte. Er blieb ein unbefestigter, von Klöstern eingefasster Platz, bis Joachim Murat, Napoleons Schwager und der von Frankreich eingesetzte König von Neapel, 1809 den Abriss der Ordenshäuser anordnete, um einem großen, nach ihm selbst benannten Bürgerforum Platz zu machen. Murats Plan sah eine gewaltige halbkreisförmige Kolonnade vor, die in den Hang des Pizzofalcone-Hügels geschlagen werden sollte, als Anklang an die großen Fora des kaiserlichen Rom — doch sein Machtverlust kam dazwischen: 1815 abgesetzt und im selben Oktober in Pizzo Calabro erschossen, erlebte er das Projekt nie über die Fundamente hinaus.

Es blieb dem restaurierten Bourbonenkönig Ferdinand I. überlassen, das Werk zu vollenden — allerdings zu ganz anderen Bedingungen. In Erfüllung eines Gelübdes aus seinen Exiljahren gab er Murats Amphitheater auf und beauftragte stattdessen Pietro Bianchi mit dem Bau einer Kirche für San Francesco di Paola, deren pantheonartige Kuppel und Kolonnade aus 38 Säulen 1846 nach drei Jahrzehnten wechselhafter Bauarbeiten vollendet wurden. Die beiden bronzenen Reiterstandbilder, die auf dem offenen Platz davor stehen, waren nicht weniger dynastisch gemeint: Antonio Canova, der führende Bildhauer seiner Zeit, modellierte das Pferd Karls III. noch vor seinem Tod 1822, während sein Schüler Antonio Calì den Reiter vollendete und die Gegenstatue Ferdinands I. vollständig allein schuf.

Wussten Sie schon?

Der Überlieferung nach gewährte Königin Margherita von Savoyen bei einem Besuch des Platzes gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Gefangenen der Stadt ein ungewöhnliches Privileg: Wer die rund 170 Meter vom Königspalast bis zu den Reiterstandbildern mit verbundenen Augen zurücklegen und dabei genau zwischen den beiden Pferden hindurchgehen konnte, sollte königliche Begnadigung erhalten. Der Legende zufolge gelang es fast niemandem — das weite, offene Pflaster bietet keinerlei tastbare Orientierungspunkte, um geradeaus zu gehen, und wer den blinden Test heute zum Spaß nachstellt, verfehlt die Statuen meist deutlich.

Wäre die Geschichte anders verlaufen, würden die Neapolitaner diesen Platz vielleicht noch immer Foro Murat nennen, nach dem französischen König, der das Gelände als Erster räumen ließ: Die Arbeiten an seinem halbkreisförmigen Forum hatten kaum begonnen, als die Bourbonen zurückkehrten und das gesamte Vorhaben stattdessen auf Ferdinands Votivkirche umlenkten. Seinen heutigen Namen erhielt der Platz erst nach 1860, als Neapel beim Plebiszit für den Anschluss an das neu geeinte Königreich Italien unter Viktor Emanuel II. stimmte.

Gut zu wissen

Der Platz selbst ist rund um die Uhr zugänglich und kostenlos zu betreten; seit 1994, als die Stadt ihn im Vorfeld des damaligen G7-Gipfels für den Verkehr sperrte, ist er vollständig autofrei — eine Seltenheit für eine Fläche dieser Größe im Zentrum Neapels. Die Basilika San Francesco di Paola an der Westseite hat eigene Öffnungszeiten und steht Besuchern tagsüber für Gottesdienste und ruhige Besichtigungen offen, während der gegenüberliegende Palazzo Reale als kostenpflichtiges Museum mit eigenem Zeitplan betrieben wird.

Der Platz ist Neapels bevorzugte Bühne für alles, was Raum für große Menschenmengen braucht — vom kostenlosen Open-Air-Konzert, das an Silvester Tausende anzieht, über Feiern zu Fußballsiegen bis hin zu öffentlichen Versammlungen jeder Art. Er liegt nur wenige Gehminuten vom Teatro di San Carlo, der Galleria Umberto I und der Uferpromenade an der Via Partenope entfernt und eignet sich damit ideal als Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Altstadt; das warme Abendlicht über der Kolonnade, wenn sich die Menschenmengen gelichtet haben, ist der schönste Moment für Fotos.